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SWR Handwerkskunst:

Wie man eine Obstleiter baut Sendung vom 06.09.2026

Das Buch zur Sendung bei uns erhältlich!

Gudrun Mangold: „Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“,

VK 32,90 €, ISBN 978-3-982244136,

Prallvoll mit Fachwissen, leicht verständlich, hochwertig ausgestattet mit 200 anschaulichen Fotos!

Das Buch enthält selbstverständlich auch ein Kapitel zum richtigen Werkzeug – Schere, Säge und eben auch die Obstleiter aus Holz und mit zwei frei beweglichen Stützen – die.Leiter für den Palmer-Schnitt!

Bericht GEA

Wie es eine Dettinger Leiter ins Fernsehen geschafft hat

Für alle Freunde des Streuobstbaus, alle Ermstäler und alle Fans der Kultserie »Handwerkskunst« ist Fernsehen am Sonntagabend, 6. September, 18 Uhr, Pflicht. Hauptakteur ist eine Holzleiter, die der Remstalrebell Helmut Palmer geschätzt und seine Tochter Gudrun Mangold durch diesen Film dem Vergessen entrissen hat. von Bernd Ruof

03.09.2026

Ingrid Ertel von der Firma Leitern Beck in Dettingen beim Bearbeiten eines Holms. Im Hintergrund Kamera- und Tonmann des SWR. Foto: Ruof

DETTINGEN. Wir schreiben das Jahr 1971. Es ist ein kalter Samstagmittag im Januar unterhalb des Wippbergs in Metzingen. Auf einer Streuobstwiese steht Helmut Palmer mit Baumsäge und Schere auf einer Holzleiter mit zwei variabel verstellbaren Stützen. Der Autor und sein Vater stehen mit einigen anderen Streuobstwiesenbesitzern um den Apfelbaum herum und lassen sich vom Remstalrebellen den Oeschberg-Palmer-Schnitt erklären. Und warum es hierfür eine spezielle Holzleiter braucht, die mit ihren Stützstangen in die »Gassen« des Baums passt, sodass die Rinde nicht verletzt wird. Das ist seiner Meinung nach der Unterschied zur Aluminium-Leiter, die für ihn Schwäbisch einfach nur »Glomp« ist. Gratis dazu liefert der an Weihnachten 2004 verstorbene Palmer kritische Bemerkungen zu Amtsträgern in Stadt und Land. Widerspruch ist zwecklos.

Schnitt! 2026: Im Remstal in Strümpfelbach werden auf einer Obstwiese Kirschen geerntet, dann schwenkt die Kamera: Das Rauschen der Erms ist zu hören, der Blick wird frei auf die Werkstatt von Leiter Beck in Dettingen. Ingrid Ertel und ihr Mitarbeiter Martin Seeger bauen dort noch Obstleitern, wie sie in Württemberg jahrhundertelang zur Tradition gehört haben.

Heute dagegen wissen nur noch wenige Betriebe in Deutschland, wie man eine freistehende Obstleiter baut. Bei Leitern Beck ist dieses Wissen gelebte Tradition. Die Chefin hat den Betrieb in siebter Generation übernommen. Ingrid Ertels Vorfahren waren Wagner – sie arbeiteten sowohl mit Holz als auch mit Metall.

Acht Stunden Filmmaterial verarbeitet

Insgesamt vier Drehtage, davon drei in Dettingen, bedurfte es, um acht Stunden Filmmaterial zu drehen. »Das ist extrem wenig Zeit und war nur möglich, weil ich ein hervorragendes Team mit Kameramann, Ton und Cutter hatte«, betont Gudrun Mangold. Im Februar 2025 trat sie mit der Idee, die Produktion der von Palmer benutzten und geschätzten Obstleiter filmisch nachzuverfolgen, an den SWR heran. Im April dieses Jahres gab es grünes Licht dafür. Aus acht Stunden Filmmaterial destillierte sie in acht Schneidetagen mit dem Cutter zusammen den 30-minütigen Beitrag. Die Journalistin, Autorin und Filmemacherin sagt: »Mein Vater hat mir das Interesse vererbt«, sagt Mangold. »Er wollte sein Wissen seinen Kindern weitergeben.«

Mit einem Schmunzeln erinnert sie sich daran, wie er öfter auf der Heimfahrt vom Wochenmarkt in Reutlingen, Tübingen oder Ulm angehalten hat, wenn er Bäume am Straßenrand gesehen hat, die einen Schnitt brauchen konnte. „Er holte die Leiter aus dem Lastwagen, die Schere, die Säge und pflegte buchstäblich so ganz nebenbei unzählige Bäume kostenlos und sorgte für die Verbreitung des Oeschberg-Palmer-Schnitts – nicht immer stieß seine Schnittpflege dabei auf Wohlwollen bei den Gütlesbesitzern, die Anhänger der klassischen Schnittmethode waren.

Das Erbe des Vaters bewahren

Mangold begleitet mit dem Kamerateam das Entstehen der Obstbaumleiter, vom Holzlager über das Abschleifen der Holme aus Fichtenholz und Verleimen der Sprossen der Beck’schen Leitern, die aus härterem Eschenholz wegen des geringeren Abriebs beim Auf- und Absteigen von der Leiter sind, sowie über den Schutzanstrich, falls sie mal im Regen stehen bleibt, bis zum Anbringen der Beschläge. Dieses verbindende Gelenk zwischen Leiter und Stützen sowie die Spitzen an den Enden des Holms und der Stützen liefert die Schlosserei Schwenkel in Hülben auf der Schwäbischen Alb zu. Auch hier wurde gedreht, wie in Strümpfelbach, mit der Leiter im Einsatz. Dort lebt Helmut Ritter.

Laut Gudrun Mangold war Ritter »der beste Schüler des Vaters«. Der Obstbauer aus dem südlichen Weinstädter Teilort Strümpfelbach lobt in dem Film die Vorzüge dieser speziellen Obstleiter: Die Stützen geben Halt, kein Ast zum Anlehnen wird benötigt. »Und das ist wichtig, wenn die Leiter das ganze Jahr über im Einsatz ist.« Die Original-Leiter des Geradstetters Helmut Palmer, die quasi als Vorlage für den Nachbau bei Leitern Beck diente, ist nach den Worten Mangolds allerdings verschwunden. Daran änderte auch ein Aufruf in den lokalen Zeitungen nichts. »Vielleicht hilft ja der Film, dass jemand sich erinnert, wo die Original-Leiter meines Vaters abgeblieben ist«.

Palmers Schnitttechnik lässt Licht und Luft in die Kronen

Ihr war die Produktion ein echtes Anliegen. Sie will damit zum einen das Erbe des Vaters bewahren: Palmers Schnitttechnik. Diese lässt viel Licht und Luft in die Kronen der Bäume, das bringt guten Ertrag und macht die Bäume zudem weniger anfällig für Krankheiten wie etwa Pilze. Hat die große Krone im Sommer Laub, so Palmers Originalton, ist der Baum gut beschattet: »Bäume lieben es nicht, wenn die Sonne auf ihre Zehen scheint, deshalb ist die Hochstamm-Methode ein absoluter Irrsinn.« Zum anderen geht es ihr darum, dass die alte Handwerkskunst des Leiternbaus nicht in Vergessenheit gerät. Zumal alle Fachleute von der variablen Holzleiter schwärmen, und sie jederzeit einer Alu-Leiter vorziehen.

Helmut Palmer ist 2004 verstorben. Sein Erbe wirkt nach. Foto: pr

So ist der Beitrag am Sonntagabend ein weiteres Mosaikstück in der glanzvollen Reihe »Handwerkskunst«, die seit Oktober 2015 läuft und mittlerweile 260 Mal erzählt, wie viel Arbeit, Zeit und Erfahrung ein Werkstück erfordert, wie die alltäglichen und besonderen Dinge entstehen, deren Form und Funktion über Jahrhunderte von Handwerksmeistern zur Perfektion gebracht wurden. Dabei geht es nicht um aussterbende Berufe, gezeigt werden soll Handwerk im 21. Jahrhundert. Das schließt auch den Einsatz hochmoderner Maschinen ein.

Sicher ist: Der oft eher grantig wirkende Helmut Palmer würde sich posthum freuen, dass »seine Leiter« so eine Würdigung erhält. Und beim SWR als »Tipp des Tages« gehandelt wird. Großes Kino eben.

Mangold und die Heimat

Helmut Palmers Tochter will das Erbe ihres Vaters bewahren, wie die Bücher »Obstbäumeschneiden verblüffend einfach« oder »Der originale Palmer-Schnitt« belegen. Die Journalistin und Autorin beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit ihrer schwäbischen Heimat. Daraus sind die Bücher »Hunger ist der beste Koch: Karge Zeiten auf der rauen Alb«, »Trollinger & Co. Württemberger Weinkultur«, »‘s Christkendle uff dr Alb– Eine kleine Weihnachtsgeschichte – Mit Originalrezepten« oder »Most: Das Buch zu Apfel und Birnenwein« entstanden. Ein Vergnügen der besonderen Art ist ihre schwäbische Übersetzung von Saint Exupérys »der kleine Prinz«, die bei ihr »‚s Prinzle« heißt. (GEA)

REMS-MURR Zeitung

Seltene Handwerkskunst: Hölzerne Obstleitern – viel moderner, als man denkt

Die Filmemacherin Gudrun Mangold, Tochter des „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer, hat für den SWR einen spannenden Film über die Herstellung von Obstleitern gedreht.

Von Dirk Herrmann

26.08.2026, 17:00 Uhr Rems-Murr-Kreis

Leitern gibt es Tausende, auch im Rems-Murr-Kreis. Obstleitern vielleicht nicht ganz so viele, aber offenkundig ist das Thema ergiebig genug, um sich damit für den Südwestrundfunk ausführlich in einem Film zu beschäftigen. Wobei die Autorin des Werks dank ihres Hintergrundwissens prädestiniert ist für die Aufarbeitung – handelt es sich doch bei Gudrun Mangold um die Tochter des „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer.

Ihr Film trägt den Titel „Handwerkskunst – Wie man eine Obstleiter baut“. Das Thema ist jedenfalls viel spannender, als man als Laie auf den ersten Blick vermuten mag. Denn die vermeintlich veralteten hölzernen Obstleitern mit den zwei Stützstangen zum Einstecken in den Boden werden wieder immer beliebter – gerade bei den passionierten Obstbauern, weil sie die Baumrinde nicht so verletzen wie Vierkant-Leitern aus Aluminium, erklärt Ingrid Ertel. Als Fachfrau weiß sie Bescheid, denn Ertel ist Chefin von Leitern Beck aus dem schwäbischen Dettingen an der Erms (Landkreis Reutlingen).

Wagner – ein ausgestorbener Beruf

Denn während nur noch wenige Betriebe in Deutschland wissen, wie man eine freistehende Obstleiter baut, gehört der Leitern-Bau bei Beck sozusagen zur Familien-DNA. Chefin Ingrid Ertel hat den Betrieb in siebter Generation übernommen. Ingrid Ertels Vorfahren waren Wagner – sie arbeiteten sowohl mit Holz als auch mit Metall.

Heutzutage, beleuchtet Mangold in ihrem Film die Hintergründe, braucht es zwei Berufsgruppen zum Bau einer solchen Leiter: Schreiner und Schlosser. In Ingrid Ertels Betrieb werden die Holme, die Sprossen und die Stützen hergestellt. Die Beschläge aus Metall, also das verbindende Gelenk zwischen Leiter und Stützen, sowie die Spitzen an den Enden des Holms und der Stützen liefert eine Schlosserei zu – im Fall von Leitern-Beck ist das die Schlosserei Schwenkel in Hülben auf der Schwäbischen Alb. Dass sich das Know-how um die Obstleitern ausgerechnet im Ermstal erhalten hat, ist kein Zufall. Leitern-Beck liegt mitten in einem der wichtigsten Obstanbaugebiete.

Ansonsten beschreibt Mangold immer wieder die Verknüpfungen bei diesem Leitern-Thema ins Remstal. So darf natürlich auch Helmut Ritter nicht fehlen, laut Mangold „der beste Schüler meines Vaters“. Der Obstbauer aus dem südlichen Weinstädter Teilort Strümpfelbach lobt in dem Film die Vorzüge dieser speziellen Obstleiter: Die Stützen geben Halt, kein Ast zum Anlehnen wird benötigt. „Und das ist wichtig, wenn die Leiter das ganze Jahr über im Einsatz ist“, erläutert er.

Gudrun Mangold ist eine umtriebige Journalistin, Autorin und Filmemacherin. Einer ihrer thematischen Schwerpunkte ist die Justiz, auch mit der Kulturhistorie europäischer Regionen beschäftigen sich ihre Filme und Bücher. Doch auch die Landwirtschaft ist nicht nur familiär bedingt immer wieder ein Thema.

Eines ihrer Bücher aus dem Jahr 2020 heißt „Der originale Palmer-Schnitt“, ist mit 198 Fotos versehen und verspricht im Untertitel „Spitzenerträge im Streuobstbau“. Ein Jahr später erschien „S’Prinzle“, Mangolds urschwäbische Übersetzung von Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“.

Doch auch zu ihrem jetzt fertig gewordenen SWR-Film gibt es eine weitere aktuelle Verknüpfung ins Remstal: Kürzlich berichtete unsere Zeitung über ihre Suche nach der Holzleiter, auf der der Geradstettener Helmut Palmer einst stand, wenn er oben in den Kronen der Kirschbäume predigte wie andere auf der Kanzel. Überschrift unseres Artikels: „Die Jagd nach Helmut Palmers Leiter“.

Auf der Jagd nach Helmut Palmers verschwundener Leiter

Denn ausgerechnet diese Leiter, „ein Unikat mit Geschichte“, wie unser Kollege in seinem Artikel schrieb, ist verschwunden. Bisher blieb die Fahndung nach der Leiter ihres an Heiligabend 2004 im Alter von 74 Jahren verstorbenen Vaters erfolglos. Doch vielleicht gibt die Ausstrahlung des Films ihrem Ansinnen einen kräftigen Schub.

Gudrun Mangolds Film „Handwerkskunst – Wie man eine Obstleiter baut“ ist ab Dienstag, 1. September, 17 Uhr, auf Youtube zu sehen. Im linearen TV läuft er am Sonntag, 6. September, um 18.15 Uhr im Fernsehprogramm des SWR und kann auch in der ARD-Mediathek aufgerufen werden.

Bericht SWP

Obstbau-Rebell Helmut Palmer macht Leitern-Beck zum Fernsehstar

Obstwiesen waren die Welt des Helmut Palmer. Dort stand der verstorbene Pomologe und Bürgerschreck auf einer speziellen Holzleiter, die nur noch wenige Experten in Deutschland fertigen: Leitern-Beck in Dettingen etwa. Dank Palmers Tochter Gudrun Mangold  (Halbschwester von Tübingens OB Boris Palmer) schafft es die Firma ins SWR-Fernsehen.

Hat er oder hat er nicht? Wirkte der Obstbaufachmann Helmut Palmer auch auf den Wiesen im Ermstal  –  hinterlässt er bis heute Spuren an den Bäumen, etwa mit dem speziellen Oeschbergschnitt, auch Palmer-Schnitt genannt? Dieser Frage ist seine Tochter, die Autorin Gudrun Mangold, bereits vor dem Dreh ihres jüngsten Filmes nachgegangen. Denn sie weiß: Ganz sicher hat der Vater auch den hiesigen Obstbauern seine Technik gezeigt – „gerade an den Streuobstbäumen rund um Metzingen“. Als Kind war die kleine Gudrun immer mal wieder dabei. Und so passt es ganz gut, dass sich die Filmemacherin für ihr jüngstes Werk ausgerechnet in der Obstbauhochburg Dettingen auf die Suche nach einem Stück Familienerbe gemacht hat.

Diese „Erbe“ ist aus Holz, gilt als Palmers Lieblingswerkzeug und lässt sich laut Gudrun Mangold an jedes Gelände anpassen. Die Rede ist von der speziellen Obstleiter des Pomologen. Im Gegensatz zu den vielerorts gängigen Aluminiumeitern ist sie mit zwei Stützstangen ausgestattet, die sich in den Boden einstecken lassen. „Außerdem verletzt sie die Baumrinde weniger als Leitern aus Metall“, erklärt die Tochter des Pomologen.

Filmdreh in Dettingen:

Remstal-Rebell Helmut Palmer und sein Erbe im Ermstal

Was aber soll an dieser Sache besonders oder gar spektakulär sein? So spektakulär, dass das SWR-Fernsehen der Herstellung der Palmerschen Holzleiter in seiner Reihe „Handwerkskunst“ eine ganze Sendung widmet? Dettingen und seine Nachbargemeinde Hülben werden in diesem Beitrag am kommenden Sonntag, 6. September, ab 18.15 Uhr sogar zum Fernsehstar.

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Denn: Mit Helmut Palmer und seiner Leiter ist praktisch ein ganzer Berufsstand aus der Welt und der Obstbau-Szenerie verschwunden. Den Wagner, auch Stellmacher oder Radmacher genannt, gibt es kaum mehr. Einst fertigte diese traditionelle Handwerksbranche Wagen, Holzräder und landwirtschaftliche Geräte. Früher eben. Heute wissen nur noch wenige Betriebe in Deutschland, wie man eigenhändig eine solche Obstleiter baut. Und hier kommt wieder das Ermstal ins Spiel. Dort sitzen gleich zwei Firmen, die diese Expertise haben: Sport-Brodbeck in Neuhausen und Leitern-Beck in Dettingen.

Handwerkskunst: SWR filmt in Dettingen und Hülben

Die Filmemacherin Gudrun Mangold, Tochter des „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer und Halbschwester von Tübingens OB Boris Palmer, hat für den SWR einen Film über die Herstellung von Obstleitern gedreht. „Handwerkskunst – Wie man eine Obstleiter baut“ heißt der Beitrag. Zu sehen ist er ab Dienstag, 1.9.2026, 17 Uhr, auf YouTube und am Sonntag, 6.9.2026, um 18.15 Uhr im Fernsehprogramm des SWR und in der ARD‑Mediathek.

Bei Beck in Dettingen gehört der Leitern-Bau zur Familien-DNA. Dort führt Ingrid Ertel, eine geborene Beck, die Geschäfte in siebter Generation. Sie ist in der Werkstatt aufgewachsen. Ihr Vater, Wilhelm Beck war einer der letzten Wagner in der Ermsgemeinde. Seit 1962 sitzt der Handwerksbetrieb in der Kappishäuser Straße – ältere Dettinger kennen indessen noch das Geschäft von Ingrid Ertels Großvater in der Schneidergasse.

Bis heute entstehen bei Beck in Dettingen Leitern à la Palmer. Heutzutage, beleuchtet Mangold in ihrem Film, braucht es zwei Berufsgruppen zum Bau einer solchen Leiter: Schreiner und Schlosser. Bei Leitern-Beck werden die Holme, die Sprossen und die Stützen hergestellt. Die Beschläge aus Metall, also das verbindende Gelenk zwischen Leiter und Stützen, sowie die Spitzen an den Enden des Holms liefert die Schlosserei Klaus Schwenkel aus Hülben zu. Wie das alles genau funktioniert, zeigt die SWR‑Sendung mit dem Titel „Handwerkskunst – Wie man eine Obstleiter baut“.

Von Dettingen aus gehen die Leitern à la Palmer mit dem Spediteur auf weite Reisen: Beck liefert bis nach Hamburg.

Aber warum ist Gudrun Mangold die Geschichte rund um den Leiterbau so wichtig? Die Autorin und Journalistin will das Erbe ihres Vaters bewahren. Sie hat mit einem Freund der Familie eine Obstbau-Akademie gegründet, Bücher über das Schaffen und die Baumpflege-Philosophie ihres Vaters verfasst (aktuell: „Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“) und will in diesem Zusammenhang auch das Wissen um Palmers Werkzeuge weitergeben.

„Für meinen Vater gab es nur diese eine Leiter“, sagt Gudrun Mangold. Doch schon für Helmut Palmer stellte sich das Problem, dass dieses „geniale Werkzeug“ kaum noch zu bekommen war. Er ließ seine Leitern deswegen eigens von einem Wagner auf dem Hochsträß herstellen.

Heute könnten die hölzernen Obstleitern mit den zwei Stützstangen wieder eine Renaissance erleben, heißt es beim SWR. Auch Helmut Ritter, Obstbauer aus Strümpfelbach im Remstal, lobt die Vorzüge: Die Stützen geben Halt, kein Ast zum Anlehnen wird benötigt. Und das ist wichtig, wenn die Leiter das ganze Jahr über im Einsatz ist.

SWR dreht eine Folge der Serie „Handwerkskunst“

Ein Artikel in der Rems-Murr-Rundschau von Pia Eckstein

Sie hat längst Geschichte(n) geschrieben: die berühmte Lieblingsleiter von Remstal-Rebell Helmut Palmer. Denn sie allein, so die Meinung der Leiter-Fans, hat die richtigen Beschläge. Dank derer können die zwei Stützen frei und in jeglicher Ausrichtung ins Gelände gestellt werden und damit Unebenheiten ausgleichen. Jetzt hat der SWR einen Film über die Herstellung einer solchen Leiter gedreht. Mit dabei: ein Dream-Team. Die Hauptdarstellerin: eine Rems-Murr-Berühmtheit.

„Handwerkskunst“ heißt die Serie, von der seit inzwischen fast elf Jahren Folgen im SWR laufen.

Gezeigt wird stets ein besonderes Handwerk. Der Handwerker wird begleitet: vom ersten Arbeitsschritt bis zur Vollendung des Werkstücks. Und das Werkstück, das bald ins Fernsehen kommt, ist diesmal eine echte Rems-Murr-Kreis-Berühmtheit. Es ist  – hier käme, wären wir jetzt schon im Fernsehen ein Tusch – die Leiter. Eine Leiter, ohne die Helmut Palmer nie aufs Stückle ging. Helmut Palmer, der berühmte Remstal-Rebell; Der Mann, der es schaffte, nicht nur politisch Zunder zu geben. Sondern der mit dem Oeschbergschnitt, den er propagierte, auch auf der per se doch so friedlichen Streuobstwiese die Gemüter zum Kochen brachte. Die Leiter – der neue Fernsehstar. Jetzt Vorsicht: Keine Lorbeeren verteilen, die nicht verdient sind. Helmut Palmer hat diese Leiter mitnichten erfunden. Er fand sie einfach nur super. Und ganz viele Obstbaumbesitzer waren seiner Meinung: Diese Leiter ist die Beste. Die Firma Leitern-Beck aus Dettingen an der Erms ist’s, die diese Leiter für den SWR-Film wieder baut. Die Handwerkskoryphäen zeigen, wie sich Holmen und Sprossen zusammenfügen. Und wie dann auch noch die Beschläge, jene besonderen Gelenke, samt der zwei Stützen dafür sorgen, dass die Leiter im unebenen und steilen Gelände wackelfrei steht und den Aufstieg in den Kirsch-, Zwetschgen- oder Apfelbaum ermöglicht. Autorin der Folge ist Gudrun Mangold. Sie ist die Tochter des Remstal-Rebellen. Und damit hat sich ein Dream-Team zusammengefunden: Holzleiter, traditionelle Handwerker, Helmut Palmer – in Memoriam -und dessen dem Vater in Sachen Schwung in nichts nachstehende Tochter. Diese Handwerkskunst-Folge kann im Rems-Murr-Kreis eigentlich nur ein Hit werden. Aber nochmal Vorsicht und keine falschen Erwartungen wecken. Helmut Palmers Leiter, die originale, mit der er immer im Remstal unterwegs war, ist nicht mehr aufzufinden. Trotz größter Mühen. Das heißt: Diese besondere Leiter konnte nicht im Hintergrund stehen, um das handwerkliche Tun im Film-Vordergrund mit einer Aura von Remstal-Historie zu umgeben. Aber – und das macht die Sache eigentlich noch viel kurioser: Ein zweiter Remstal-Aufrührer besitzt auch eine solche Leiter und hat sie zur Verfügung gestellt. Ebbe Kögel, Stettener Original, von der Internet-Wochenzeitschrift Kontext mit den Worten „Dorf-Anarchist, passionierter Quälgeist und Bademeister mit Master-Abschluss“ charakterisiert, hat ein Pendant geliefert. Selbiges hat er von seinem Opa. Drehort? Das von Obstbäumen umsäumte Strümpfelbach. Und jetzt? Ein schöner Film ist ja was Feines! Vier Tage hat das Team des SWR gebraucht, damit alle Szenen im Kasten waren – einen Tag stand das Set in Strümpfelbach. Denn dort gibt’s wunderbare Obstbaumwiesen. Und sogar einen Baum, dem man noch gut ansehe, sagt zumindest Gudrun Mangold, dass ihn Helmut Palmer beschnitten habe. Vom „Kirschriesen“ spricht sie. Da können sich die Remstäler zu Hause fühlen. Aber was tun, wenn der Film mehr als Feierabend-Freude bringt? Wenn er gar Leitern-Lust auslöst? Vor rund sechs Jahren gab es ein ziemliches Drama um diese besondere Leiter: Es gab sie nicht mehr zu kaufen. Tatsächlich schon lange nicht mehr. Aber damals trat diese Tatsache so richtig ins Bewusstsein der Leiterbenutzer. Vermutlich, weil so manche alte Leiter kaputt ging und nach Ersatz gesuchtwerden musste. Den es nicht mehr gab. Das Problem damals war, dass die gesetzliche Unfallversicherung bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft von der Sicherheit dieser Leiter nicht überzeugt war. Wobei die Gesamtlage etwas nebelig daherkam.Die große Frage, die dann folgte: Darf man die vorhandenen Leitern noch benutzen?Oder waren sie inzwischen verboten? Helmut Ritter, langjähriger Weggefährte von Helmut Palmer, selbst Stücklesbesitzer, Verfechter des Oeschbergschnitts und auch am liebsten auf genau einer solchen Leiter unterwegs in die Bäume, war irritiert und von den Alternativen nicht überzeugt. Und Leitern-Beck in Dettingen an der Erms baute zwar nach wie vor eine Holzleiter mit zwei Stützen. Die Stützen aber waren aus Alu und nicht mehr einzeln zu bewegen, sondern nur parallel und gemeinsam.Und jetzt? Wird jetzt wieder alles anders? Sonst wäre der Film ja irgendwie ein zwar gegebenes, aber nicht gehaltenes Versprechen. Ingrid Ertel von Leitern-Beck möchte die Palmer- Leiter gern wieder als Alternative zu den Leitern mit Alu-Stützen anbieten. Denn sie ist überzeugt, dass diese Leiter die idealere ist für unsere Gelände hier auf der Schwäbischen Alb ist. Und da das Remstal bis hoch in den Schurwald nicht viel anders aussieht, kann diese Aussage auch auf den Rems-Murr-Kreis übertragen werden. Vielleicht müssen Leiternfans einfach mal in Dettingen anfragen? Vielleicht heißt’s dann wieder: Vorhang auf für die alte, die neue, die Helmut-Palmer-Leiter.