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HANDWERKSKUNST Sonntag 6.9.2026 18.15 Uhr

Wie man eine Obstleiter baut | SWR Handwerkskunst

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SWR dreht eine Folge der Serie „Handwerkskunst“

Ein Artikel in der Rems-Murr-Rundschau von Pia Eckstein

Sie hat längst Geschichte(n) geschrieben: die berühmte Lieblingsleiter von Remstal-Rebell Helmut Palmer. Denn sie allein, so die Meinung der Leiter-Fans, hat die richtigen Beschläge. Dank derer können die zwei Stützen frei und in jeglicher Ausrichtung ins Gelände gestellt werden und damit Unebenheiten ausgleichen. Jetzt hat der SWR einen Film über die Herstellung einer solchen Leiter gedreht. Mit dabei: ein Dream-Team. Die Hauptdarstellerin: eine Rems-Murr-Berühmtheit.

„Handwerkskunst“ heißt die Serie, von der seit inzwischen fast elf Jahren Folgen im SWR laufen.

Gezeigt wird stets ein besonderes Handwerk. Der Handwerker wird begleitet: vom ersten Arbeitsschritt bis zur Vollendung des Werkstücks. Und das Werkstück, das bald ins Fernsehen kommt, ist diesmal eine echte Rems-Murr-Kreis-Berühmtheit. Es ist  – hier käme, wären wir jetzt schon im Fernsehen ein Tusch – die Leiter. Eine Leiter, ohne die Helmut Palmer nie aufs Stückle ging. Helmut Palmer, der berühmte Remstal-Rebell; Der Mann, der es schaffte, nicht nur politisch Zunder zu geben. Sondern der mit dem Oeschbergschnitt, den er propagierte, auch auf der per se doch so friedlichen Streuobstwiese die Gemüter zum Kochen brachte. Die Leiter – der neue Fernsehstar. Jetzt Vorsicht: Keine Lorbeeren verteilen, die nicht verdient sind. Helmut Palmer hat diese Leiter mitnichten erfunden. Er fand sie einfach nur super. Und ganz viele Obstbaumbesitzer waren seiner Meinung: Diese Leiter ist die Beste. Die Firma Leitern-Beck aus Dettingen an der Erms ist’s, die diese Leiter für den SWR-Film wieder baut. Die Handwerkskoryphäen zeigen, wie sich Holmen und Sprossen zusammenfügen. Und wie dann auch noch die Beschläge, jene besonderen Gelenke, samt der zwei Stützen dafür sorgen, dass die Leiter im unebenen und steilen Gelände wackelfrei steht und den Aufstieg in den Kirsch-, Zwetschgen- oder Apfelbaum ermöglicht. Autorin der Folge ist Gudrun Mangold. Sie ist die Tochter des Remstal-Rebellen. Und damit hat sich ein Dream-Team zusammengefunden: Holzleiter, traditionelle Handwerker, Helmut Palmer – in Memoriam -und dessen dem Vater in Sachen Schwung in nichts nachstehende Tochter. Diese Handwerkskunst-Folge kann im Rems-Murr-Kreis eigentlich nur ein Hit werden. Aber nochmal Vorsicht und keine falschen Erwartungen wecken. Helmut Palmers Leiter, die originale, mit der er immer im Remstal unterwegs war, ist nicht mehr aufzufinden. Trotz größter Mühen. Das heißt: Diese besondere Leiter konnte nicht im Hintergrund stehen, um das handwerkliche Tun im Film-Vordergrund mit einer Aura von Remstal-Historie zu umgeben. Aber – und das macht die Sache eigentlich noch viel kurioser: Ein zweiter Remstal-Aufrührer besitzt auch eine solche Leiter und hat sie zur Verfügung gestellt. Ebbe Kögel, Stettener Original, von der Internet-Wochenzeitschrift Kontext mit den Worten „Dorf-Anarchist, passionierter Quälgeist und Bademeister mit Master-Abschluss“ charakterisiert, hat ein Pendant geliefert. Selbiges hat er von seinem Opa. Drehort? Das von Obstbäumen umsäumte Strümpfelbach. Und jetzt? Ein schöner Film ist ja was Feines! Vier Tage hat das Team des SWR gebraucht, damit alle Szenen im Kasten waren – einen Tag stand das Set in Strümpfelbach. Denn dort gibt’s wunderbare Obstbaumwiesen. Und sogar einen Baum, dem man noch gut ansehe, sagt zumindest Gudrun Mangold, dass ihn Helmut Palmer beschnitten habe. Vom „Kirschriesen“ spricht sie. Da können sich die Remstäler zu Hause fühlen. Aber was tun, wenn der Film mehr als Feierabend-Freude bringt? Wenn er gar Leitern-Lust auslöst? Vor rund sechs Jahren gab es ein ziemliches Drama um diese besondere Leiter: Es gab sie nicht mehr zu kaufen. Tatsächlich schon lange nicht mehr. Aber damals trat diese Tatsache so richtig ins Bewusstsein der Leiterbenutzer. Vermutlich, weil so manche alte Leiter kaputt ging und nach Ersatz gesuchtwerden musste. Den es nicht mehr gab. Das Problem damals war, dass die gesetzliche Unfallversicherung bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft von der Sicherheit dieser Leiter nicht überzeugt war. Wobei die Gesamtlage etwas nebelig daherkam.Die große Frage, die dann folgte: Darf man die vorhandenen Leitern noch benutzen?Oder waren sie inzwischen verboten? Helmut Ritter, langjähriger Weggefährte von Helmut Palmer, selbst Stücklesbesitzer, Verfechter des Oeschbergschnitts und auch am liebsten auf genau einer solchen Leiter unterwegs in die Bäume, war irritiert und von den Alternativen nicht überzeugt. Und Leitern-Beck in Dettingen an der Erms baute zwar nach wie vor eine Holzleiter mit zwei Stützen. Die Stützen aber waren aus Alu und nicht mehr einzeln zu bewegen, sondern nur parallel und gemeinsam.Und jetzt? Wird jetzt wieder alles anders? Sonst wäre der Film ja irgendwie ein zwar gegebenes, aber nicht gehaltenes Versprechen. Ingrid Ertel von Leitern-Beck möchte die Palmer- Leiter gern wieder als Alternative zu den Leitern mit Alu-Stützen anbieten. Denn sie ist überzeugt, dass diese Leiter die idealere ist für unsere Gelände hier auf der Schwäbischen Alb ist. Und da das Remstal bis hoch in den Schurwald nicht viel anders aussieht, kann diese Aussage auch auf den Rems-Murr-Kreis übertragen werden. Vielleicht müssen Leiternfans einfach mal in Dettingen anfragen? Vielleicht heißt’s dann wieder: Vorhang auf für die alte, die neue, die Helmut-Palmer-Leiter.

Der Film

30 Minuten lang wird der Film über die Herstellung der besonderen Holzleiter werden, wenn er fertig ist. Am Sonntag, 6. September 2026, wird er um 18.15 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

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